Zur Geschichte der Kirche

Einleitung

 

Die evangelische Kirche in Hasbergen feierte im Jahr 2001 ihr 100jähriges Kirchweihjubiläum. Aus diesem Grunde möchten wir Sie einladen zu einer etwas anderen Kirchenführung. Nicht alles kann hier erzählt werden, doch wenn es gelingt, dass an einigen markanten Punkten ein wenig von der Geschichte und den Menschen, die diese Zeit ausfüllten, wieder lebendig wird, dann würde diese Schrift ihre Absicht erfüllt haben.

 

Lassen Sie sich mit hineinnehmen in die Kirche und in die Geschichte, von der sie erzählt.

 

1. Der Turm

 

2. Der Kirchenraum und die ersten Gottesdienste

 

3. Das Lauenbrunner Fensterbild

 

4. Der Altar

 

5. Der Taufstein

 

6. Die Kanzel und Pastorenschicksale

 

7. Das Kruzifix

 

8. Die Orgel und der Notenständer von Heinrich Stahlmann

 

9. Die Glocken

 

10. Der Altarstein

 

11. Die Küsterinnen und Küster

 

12. Geschichte der Einrichtung einer Kirchengemeinde nach der Schulchronik von Heinrich Pleister

 

13. Aus der Geschichte: Die sozialen Bedingungen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

 

1. Treten Sie ein: Der Turm

 

In die Kirche gelangt man durch den Turm. Man betritt einen lichtdurchfluteten, freundlichen Raum. In der Beschreibung der Kirche von 1902 heißt es:

 

„Die evangelische Kirche zu Hasbergen, welche nach den Entwürfen das Architekten E. Hillebrand in Hannover erbaut wurde, ist ein in frühgotischem Stile gehaltener kreuzförmiger, durch spitze Gurtbögen mit Kreuz- und Tonnengewölben hübsch überspannter Raum, bestehend aus dem im Lichten 9,20 m breiten, 5,14 m langen und 12,25 m hohen Chore, dem im Lichten 12,5 m breiten, 7,60 m landen und 12,25 m hohen Langhause. Im Osten wird das Chor durch einen kleinen dreieckigen, niedlich überwölbten, 5 m breiten und 3 m tiefen Chorausbau vergrößert. Der an der Westseite des Langhauses vorgebrachte, im Lichten 5,4 m breite und lange Turm ist durch eine große Bogenöffnung mit der Kirche verbunden. Zu beiden Seiten dieses Hauptturmes sind 2 Türmchen mit Vorhallen angebaut, in welchen die Treppenaufgänge zu der Orgelempore, den beiden Seitenemporen und auch des Hauptturmes liegen. Während an der Nordseite, in der Ecke zwischen dem Querhause und dem Chore die Sakristei angebaut ist, ist in ähnlicher Weise an der Südseite zwischen dem Querhause und dem Chore eine Vorhalle eingebaut, in welcher noch ein Treppenaufgang auf die südliche Seitenempore führt. Sowohl Sakristei als auch alle vorerwähnten Treppenhäuser sind von außen wie von innen zugänglich. An der Westseite, in der Mitte des Hauptturmes, welcher eine Höhe von 45 m hat, ist ein hübsch gegliedertes Portal, gekrönt mit dem Kreuze, vorgebaut. Die zweiflügelige Tür des Portals bildet den Haupteingang in die Kirche. Während die beiden Giebelwände des Querhauses je ein recht breites und hohes Fenster haben, durch zierliches Maßwerk vielfach gegliedert, hat die östliche Giebelwand über dem Chorausbau eine große, bunt verglaste Rosette. Der schlanke Turm zeigt an der nördlichen und südlichen Seite Giebel und an der breiteren westlichen und östlichen Seite Erker, wo die 4 Zifferblätter der Uhr angebracht sind. Sämtliches Fundamentmauerwerk nebst dem scharrierten Sockel sind aus weißem Sandstein hergestellt, dagegen alles andere Gemäuer über dem Sockel aus Schlackensteinen der Georgs-Marien-Hütte erbaut, mit Ausnahme zweier Pfeiler und der Gewölbe. Durch hübsch gruppierte Fenster- und Türanlagen, durch verschiedenartig gestaltete Anbauten mit Türmchen, sowie durch Anlage von schlanken Strebepfeilern und geschmackvollen Gesimsen, ist es dem Architekten gelungen, der Kirche nach allen Seiten hin ein angenehmes, dabei ernstes Äußere zu geben. Im Innern der Kirche sind an der Nord- und Südseite des Querhauses sowie in dem Langhause und dem völlig mit der Kirche verbundenen unteren Teile des Turmes Emporen mit hölzernen Brüstungen eingebaut, auf denen amphitheatralisch ansteigendes Gestühl für 220 Personen und in der Turmnische eine mit hübschem Prospekt versehene Orgel Aufstellung gefunden hat. Von dem Hauptportale des Turmes führt ein 1,20 m breiter Gang unter der Orgelempore har durch das Lang- und Querhaus in gerader Richtung in der Mittelachse der Kirche auf den Altar des Chores zu, welches um 2 Stufen höher liegt als des Erdgeschoss. Von den beiden nördlich und südlich vom Hauptturme gelegenen Treppenhäusern führen durch eine einflügelige Tür an der nördlichen und südlichen Seite des Langhauses entlang in gerader Richtung durch das Querhaus 1,15 m breite Seitengänge rechtwinklig auf den Gang vor dem Chore. Zwischen dem Mittelgange und den beiden Seitengängen sowie im Querhause unter den beiden Seitenemporen sind Sitzplätze für 400 Personen aufgestellt. Mitten vor dem Chorausbau, bündig mit der östlichen Chorgiebelwand, ist der Altar aufgebaut, südlich von demselben der Taufstein, während die Kanzel an dem nördlichen Pfeiler des Chorgurtbogens aufgestellt ist. Kanzel, Altar und Taufstein sind auf besonderen Wunsch des Architekten von Stein und entbehren zur Zeit noch der Bemalung bezw. sonstiger Verzierung. Der von dem Architekten entworfene hölzerne Schilddeckel über der Kanzel, dem Orgelprospekt entsprechend, ist auf Wunsch des Kirchenvorstandes nicht angefertigt. Die Heizung der Kirche geschieht durch 2 Wasseralfinger Öfen, welche unter der nördlichen und südlichen Seitenempore im Querhause Aufstellung gefunden haben. Die Sakristei wird durch einen kleinen irischen Ofen geheizt. Sowohl Gewölbe wie Wände haben eine einfache, aber würdige Bemalung erhalten; das Chor ist in reicherer Ausführung gehalten, unten in Teppichmuster mit den symbolischen Gestalten der 4 Evangelisten und der Taube als dem Sinnbilde des heiligen Geistes über dem Taufsteine. Die Beleuchtung der Kirche wird bewirkt durch Kerzenlicht auf 2 dem frühgotischen Stile entsprechenden Kronleuchtern und 22 Stück Wandarmen von Schmiedeeisen. Sämtliche Fenster haben eine grünliche Rautenverglasung mit gelblichem Friese, mit Ausnahme der 3 kleinen Fenster im Chorausbau und der großen Rose im östlichen Chorgiebel. Wie das Äußere, so macht auch das Innere der Kirche einen würdigen, erhabenen, echt evangelischen Eindruck, so dass die Kirche als eine evangelische Musterkirche gelten kann.“ (Bauingenieur Osterhaus im April 1902).

 

Die Kirche ist aus ca. 600.000 Schlackensteinen errichtet, und ist neben der 1877 in Georgsmarienhütte erbauten Kirche die einzige, in der dieses Material verwendet wurde. Der Bau der Kirche kostete ca. 77.000 Mark; für das Pfarrhaus mussten 21.000 Mark aufgewendet werden. Der Erwerb des Grundstücks kostete 4.200 Mark. Zur Finanzierung standen der Kirchengemeinde das Ausstattungs-kapital, das die Osnabrücker Muttergemeinden bei der Gemeindegründung zur Verfügung gestellt hatten, in Höhe von 18.000 Mark (St. Marien) und 15.000 Mark (St. Katharinen), sowie eine Spende des Georgsmarienhüttenvereins in Höhe von 8.000 Mark und ein Zuschuss des Kultusministeriums von Preußen in Höhe von 5.000 Mark zur Verfügung. Eine Sammlung innerhalb der Gemeinde erbrachte die Summe von 2.550 Mark. 1899 machten sich Kirchenvorsteher und Gemeindeglieder auf, nachdem sie die Genehmigung für eine „Haussammlung in allen evangelischen Haushalten der Provinz Hannover“ erhalten hatten, und trugen weitere 30.177 Mark zusammen. Für die nicht gedeckten Kosten musste eine Hypothek aufgenommen werden, die mit 7.000 Mark erst während der Inflationszeit 1922 zurückgezahlt werden konnte.

 

2. Der Eingang: Die ersten Gottesdienste

 

In der Festschrift von 1902 berichtet Pastor Theodor Meyer stolz von einem aufblühenden gottesdienstlichen Leben. Er schreibt, dass an normalen Sonntagen 350 bis 400 Menschen die Gottesdienste besuchten. Die nationalsozialistische Herrschaft dagegen hatte verheerende Folgen für das kirchliche Leben. Eine Anzahl von Austrittserklärungen finden sich in den Archiven. Pastor Karl Hölty, der Nachfolger von Theodor Meyer schreibt in einem Bericht 1935, dass der Gottesdienstbesuch auf durchschnittlich 4 Teilnehmer gesunken. Die Arbeit erfordere eine gute gesundheitliche und geistige Konstitution. In dem Protokollbuch der Kirchenvorstandssitzungen findet sich ein Vertrag mit der nationalsozialistischen Jugendorganisation (HJ), dass den Konfirmandínnen und Konfirmanden einmal im Monat der Gottesdienstbesuch erlaubt wird und sie damit von ihrer Teilnahmepflicht an den sonntäglichen Übungen freigestellt würden. Im Protokollbuch findet sich unter dem 26. Februar 1934 eine Abschrift des Eingliederungsformulars evangelischer Jugendverbände in die Parteiorganisationen H:J bzw BDM. (die vom Reichsbischof und dem Reichsjugendführer am 30.1.1934 beschlossen worden war), mit dem Hinweis:

 

„Vereinsmäßige evangelische Jugendarbeit besteht zur Zeit in Hasbergen nicht.“ Darin wird mit dem Bannführer der H.J. und der Untergauführerin des B.D.M. folgende Vereinbarung getroffen: „Die Evangelische Gemeinde hat das Recht, ihre Jugend an 2 festzulegenden Wochentagen durch von ihr bestimmte Jugendleiter zu betreuen. Die Führung der H.J. bzw. des B.D.M. verpflichtet sich, die evangelische Jugend an den vereinbarten Wochentagen von dem Dienst zu befreien, sie auch ihrerseits nicht mehr als 2mal wöchentlich in Anspruch zu nehmen und für die Freihaltung der Sonntage für evangelische Jugendarbeit, insbesondere für den Gottesdienst, mindestens an 2 Sonntagen im Monat Sorge zu tragen. Die evangelische Kirchengemeinde und die H.J. gewährleisten die Durchführung dieses Abkommens. Bei Missverständnissen und Schwierigkeiten ist der Landes- bzw. Provinzialjugendpfarrer (der kirchliche Bevollmächtigte) als Vermittler anzurufen.“

 

Der erste Kindergottesdienst wurde am 21.5.1934, dem 2. Pfingsttag, eingeführt. Hierzu heißt es im Protokollbuch unter dem 8. Mai 1934:

 

„1) Der Vorsitzende verweist auf die Anordnung des Reichjugendpfarrers Zahn betr. Jugendarbeit, veröffentlicht im Kirchlichen Amtsblatt unserer Landeskirche 1934 S. 62. danach soll jede Kirchengemeinde, soweit das noch nicht geschehen ist, ab 1. Mai 1934 einen Kindergottesdienst einrichten. Mit Rücksicht auf die besonderen Schwierigkeiten unserer nicht in einem geschlossenen Ort, sondern in 6 Bauerschaften zerstreut wohnenden Kirchengemeinde beschließt der Kirchenvorstand, dass der Kindergottesdienst einmal im Monat gehalten werden soll: am 15. des Monats, wenn auf diesen Tag ein Sonntag fällt, sonst am Sonntag darauf, und zwar im Anschluss an den Hauptgottesdienst. Die Kinderlehre für die Konfirmanden und die Vorkonfirmanden fällt an diesem Sonntag dann aus. Der erste Kindergottesdienst soll am II. Pfingsttag, 21. Mai, gehalten werden. Mithin ist die Ordnung der Gottesdienste für die Jugend bei uns in Zukunft folgen-de: a) Am 1. Sonntag im Monat, im Anschluss an den Hauptgottesdienst: Unterredung (?) mit Konfirmierten, wie es seit einer Reihe von Jahren meist die Regel war. Die Konfirmierten besuchen dann auch den Hauptgottesdienst, Nur soll versucht werden, die Unterredung (?) nicht auf die Neukonfirmierten zu beschränken, sondern auf mehrere Jahrgänge auszudehnen. b) Am 3. Sonntag im Monat, bzw. an dem Sonntage, der auf den 15. des Monats oder danach fällt: im Anschluss an den Hauptgottesdienst: Kindergottesdienst für die 8 - 12 Jährigen, die den Hauptgottesdienst noch nicht besuchen. Die Teilnahme ist freiwillig. Es erscheint zweckmäßig, die Kinder in den beiden ersten Schuljahren noch nicht zum Kindergottesdienst heranzuziehen. c) An den übrigen Sonntagen im Monat im Anschluss an den Hauptgottesdienst: Kinderlehre für die Konfirmanden und Vorkonfirmanden. Diese haben die Pflicht, an jedem Sonntag den Hauptgottesdienst zu besuchen.“

 

3. Das Lauenbrunner Fensterbild

 

Unter der südlichen Empore befindet sich seit dem Gemeindegründungsjubiläum 1998 eine verkleinerte Kopie des Kirchenfensters der alten Kirche von Lauenbrunn/ Schlesien. Es erinnert an die Heimat der Vertriebenen, die 1946 in Hasbergen eine neue Heimat gefunden und das kirchliche und gesellschaftliche Leben sehr entschei-dend mitgeprägt haben. Der ehemalige Gemeindedirektor Kurt Schüttler schreibt dazu:

 

„Mit den evangelisch-lutherischen Einwohnern Hasbergens feiern auch viele An-gehörige der Kirchengemeinde das Kirchenbaujubiläum, die nach 1945 als Ver-triebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten nach Hasbergen kamen. Wäh-rend ein kleiner Teil auf der Flucht vor den sowjetischen Truppen den „Westen“ erreichte, gelangte die Masse der Ostdeutschen in Viehwaggons in die damalige Sowjetische Besatzungszone und die drei Besatzungszonen Westdeutschlands. Gaste, Ohrbeck und Hasbergen mit damals ca. 3.500 Einwohner erhielt einen Zuzug von 2.000 Vertriebenen und Ausgebombten, so dass sich die Einwohner-zahl auf 5.000 erhöhte. Eine besondere Gruppe bildeten ca. 200 Einwohner des schlesischen Dorfes Lauenbrunn. Ihnen war es durch günstige Umstände ge-glückt, zusammen nach Hasbergen zu kommen. Der Ort Lauenbrunn (früher Te-pliwoda) war ein im 13. Jahrhundert im Rahmen der friedlichen Besiedlung Schlesiens entstandenes Bauerndorf mit td. 1.500 Einwohnern. Die aus West- und Süddeutschland stammenden Neusiedler gründeten das Dorf nach deut-schem Recht und erbauten eine Kirche, die bereits 1534 evangelisch wurde. Das verhältnismäßig große Bauerndorf überstand den dreißigjährigen Krieg, die Hus-sittenfeldzüge, Pest und Unterdrückung durch die kaiserlichen Armeen der da-maligen Zeit. Als nach dem Westfälischen Frieden den Schlesiern die meisten ev. Kirchen weggenommen wurden (inges. 1.842), wurde auc die Dorfkirche von Lauenbrunn trotz heftigen Widerstandes der Bevölkerung zwangsweise katholisch (Dez. 1653). Nach der Altranstädter Konvention von 1707 mussten einige Kirchen den Evangelischen zurückgegeben werden. Glücklicherweise gehörte die Kirchen von Lauenbrunn dazu. Sie wurde umfangreich renoviert und erhielt eine Orgel, die heute stark reparaturbedürftig ist. Seit 1946 dient die altehrwürdige Kirche den polnischen Bewohnern als Gotteshaus. Kanzel und Emporen wurden entfernt bzw. ersetzt, und nur einige schöne Kirchenfenster strahlen in alter Schönheit am Ostgiebel. Auch der vor dem Altarraum befindliche Spruchbogen „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ wurde entfernt.
Anlässlich des 100jährigen Gründungsjubiläums der ev.-luth. Kirche Hasbergens wurde ein verkleinertes Abbild des Kirchenfensters der Heimatkirche angebracht. Es stellt Christus als den guten Hirten dar und soll immer an die verlorene Hei-matkirche der „Lauenbrunner“ erinnern.“
K. Schüttler

 

Die Pfarrer der Kirche zu Tepliwoda (später Lauenbrunn)

 

131X Im Zinsregister des „Gabriel, Erzpriesters der Kirche vom heiligen Erzengel in der Diözese Rimini“, bescheinigt dieser den Empfang von 4 Mark von dem rector ecclesiae Petrus in Tepilwoyde
1329 Konrad, Pfarrer von Tepilwode
1367 Michael, Pfarrer von Tepilwode
1507 Kaspar Koch, Presbyter Dioecesis Tepliwudensis
1570-1596 Adam Hoppe genannt Adammum Hoppium, Leobergensis
1596-1614 Georgius Etzler
1605-1635 Martin Hilscher (von 1605-1614 als Substitut neben Georgius Etzler)
1635-1649 Martinus Nentwiglus
1650-1653 Georgus Bavarus
1654-1707 Die katholischen Pfarrer Bernhard Rosa, Balthasar, Ignatius Sandmann und Michael Gabriel Runge
1708-1715 Johann Lorentz Baudiß
1716-1721 Johann Adam Steinmetz
1721-1722 Melchior Gottlieb Minor
1723-1726 Wolf Caspar Gerhard
1726-1742 Gottfried Heller
1742-1784 Johann Georg Heller
1784-1790 Jhoann Eberhard Bernhard Otto
1791-1832 Traugott Lachmann
1832-1875 Johann Gottlieb Hauenschild
1875-1886 Alwin Seibt
1887-1901 Gotthold Dächsel
1901-1912 Artur Seibt
1913-1933 Ludwig Otto Johannes Krebs
1934-1939 Dr. phil. Hans Schulze
Friedrich Weichert

 

4. Der Altar

 

Den Alter würdigt Superintendent Bartels in seiner Predigt am Einweihungstag 1901 mit pathetischen Worten. Die Kirche ist für ihn heiliger Ort der Verehrung des allgegenwärtigen Gottes, und dies besonders der Altar. Er ist ausgerichtet nach Osten, nach Jerusalem, dem Ort, an dem die Wiederkunft Christi erwartet wird.

 

„Dieser Altar mit seinen heiligen Geräten. Er ist die heiligste Stätte der Kirche, geschmückt durch das heilige Zeichen, das Kreuz unseres Heilandes , die Stätte des Gebets und des Tisches des Herrn. Hier opfert die Gemeinde die Opfer ihres Gebets, von hier aus wird der Segen des Herrn auf sie gelegt. Vor diesem Altar werden die christlichen Mütter treten, um Gott ihr Dankopfer zu bringen für die Gabe seiner Gnade in ihrem Kindlein. Vor diesem Altar werden eure Konfirmanden sich versammeln, um das Bekenntnis ihres Glaubens und das Gelübde ihrer Treue dem Herrn abzulegen und auf seinen Stufen kniend eingesegnet zu werden. Vor diesen Altar werden eure Brautleute treten am Tage ihrer Hochzeit, um im Namen Gottes ihre Hände in einander legen zu lassen zum Bunde lebens-länglicher Liebe und Treue und den Segen des Höchsten zu empfangen. Diesem Altar endlich werdet ihr nahen in jedem Jahre, um im heiligen Sakrament des Abendmahls eure Seelen speisen und tränken zu lassen mit dem Leibe und Blute des Herrn zu eurer Stärkung und Erhaltung im wahren Glauben zum ewigen Leben.“ (Festschrift 1902, S.10).

 

„Dieser Altar mit seinen heiligen Geräten. Er ist die heiligste Stätte der Kirche, geschmückt durch das heilige Zeichen, das Kreuz unseres Heilandes , die Stätte des Gebets und des Tisches des Herrn. Hier opfert die Gemeinde die Opfer ihres Gebets, von hier aus wird der Segen des Herrn auf sie gelegt. Vor diesem Altar werden die christlichen Mütter treten, um Gott ihr Dankopfer zu bringen für die Gabe seiner Gnade in ihrem Kindlein. Vor diesem Altar werden eure Konfirmanden sich versammeln, um das Bekenntnis ihres Glaubens und das Gelübde ihrer Treue dem Herrn abzulegen und auf seinen Stufen kniend eingesegnet zu wer-den. Vor diesen Altar werden eure Brautleute treten am Tage ihrer Hochzeit, um im Namen Gottes ihre Hände in einander legen zu lassen zum Bunde lebens-länglicher Liebe und Treue und den Segen des Höchsten zu empfangen. Diesem Altar endlich werdet ihr nahen in jedem Jahre, um im heiligen Sakrament des Abendmahls eure Seelen speisen und tränken zu lassen mit dem Leibe und Blute des Herrn zu eurer Stärkung und Erhaltung im wahren Glauben zum ewigen Leben.“ (Festschrift 1902, S.10).

 

In der Beschreibung der Kirche aus den Jahre 1902 heißt es: „Mitten vor dem Chorausbau, bindig mit der östlichen Chorgiebelwand, ist der Altar aufgebaut, südlich von demselben der Taufstein, während die Kanzel an dem nördlichen Pfeiler des Chorgurtbogens aufgestellt ist. Kanzel, Altar und Taufstein sind auf besonderen Wunsch des Architekten von Stein und entbehren noch der Verma-lung bezw. sonstiger Verzierung....“.

 

Im Zuge der Renovierung von 1951 ließ der Kirchenvorstand das ursprüngliche Motiv „Das große Abendmahl“ wieder nachmalen und anbringen.

 

1973 bekam der Chorraum ein völlig neues Aussehen. Der ursprüngliche Altar wurde abgebaut und durch einen neuen Altartisch ersetzt. Der Gottesdienst als Feier der ganzen Gemeinde, nicht als ein Gegenüber von Pastor und Gemeinde, sollte dadurch sichtbar werden. Der vordere Teil der Kirche wird vornehmlich für kleinere Gottesdienstformen genutzt.

 

Pastor Dreger schreibt in der Festschrift zum 75jährigen Kirchenjubiläum: „Durch innerkirchliche Reformbewegungen der vergangenen Jahrzehnte haben wir neu gelernt, den Gottesdienst als Feier der ganzen Gemeinde zu sehen, für die Jesus Christus der Mittelpunkt ist. Um dieses in unserer Kirche zum Ausdruck zu bringen, musste der alte, hohe Altar abgebaut und als Tisch nach vorne gerückt werden. Um ihn versammelt sich nun die Gemeinde mit dem Pastor, beide stehen sich nicht mehr „gegenüber“. Am deutlichsten wird dieses, wenn bei besonderen Gottesdiensten, wie z.B. Konfirmation oder Taufen, auch im Chorraum Gemeindeglieder sitzen. Dann ist der Altar der sichtbare Mittelpunkt der Gemeinde.“ (S.29).

 

Mit dem Altar haben sich Traditionen verbunden. Besonders zum Erntedankfest wird er reichlich mit Erntegaben geschmückt. Die kürzlich verstorbene Frau Erna Hischemöller stiftete bis vor einigen Jahren den letzten Blumenschnitt ihres Blumengartens zum Erntedankfest.

 

5. Der Taufstein

 

 

Zum Taufstein sagt Superintendent Bartels in seiner Predigt am Einweihungstag 1901: „Über ihm steht geschrieben: „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“ So spricht der Herr. Er selbst hat das Sakrament der heiligen Taufe eingesetzt und zu taufen befohlen. Die Kindlein sollen nicht ausgeschlossen sein von seinem Reich der Gnade. Wie der Heiland die freundlich zu sich rief und ihnen segnend seine Hän-de aufs Haupt legte, so tragen wir ihm unsere Kinder zu, dass sie Glieder werden an seinem Leibe und wiedergeboren werden aus Wasser und Geist zu Kindern Gottes durch Jesum Christum.“

 

6. Die Kanzel und Pastorenschicksale

 

 

Die Kanzel ist heute noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Sie ist aus Sandstein gefertigt. Sie schmücken vier Evangelistenbil-der. Diese wurden, wie auch das ursprüngliche Altarbild, von der Ehefrau des ersten Pastors der Gemeinde geschaffen. Ursprünglich waren sie in einer Holzbrenntechnik erstellt worden. Die heutige farbige Ausmalung wurde durch die Kirchenrenovierung von 1973 realisiert. Die Kanzel ist an dem nördlichen Pfeiler des „Chorgurtbogens“ angebracht und ragt von dem Chorraum mit Altar und Taufstein in das zentrale Querschiff hinein. Der hölzerne Schilddeckel über der Kanzel, der von dem Architekten ursprünglich vorgesehen war, ist nicht angefertigt worden. Über die Kanzel spricht Superintendent Bartels in seiner Einweihungspredigt:

 

„Sie [d.h. die Kanzel] nimmt eine hervorragende Stelle im evangelischen Gottes-hause ein, wie ja die Predigt bei uns das wichtigste Stück im Gottesdienste ist. Von dieser Kanzel, liebe Gemeinde, soll dir an jedem Sonn- und Festtage das heilige Gottes Wort, das teuerwerte Evangelium, die frohe Botschaft von der Gnade Gottes in Christo Jesu rein und lauter verkündigt werden. Möge nie eine Zeit kommen, wo von dieser Stätte ein anderes Evangelium gepredigt werde als das Evangelium von Jesu Christo, dem ewigen Gottessohne, dem Gekreuzigten und Auferstandenen nach der Schrift, unserm einigen Heilande und Erlöser! Nicht Menschenwort, nicht Fündlein irdischer Weisheit und weltlicher Wissenschaft, sondern allein Gottes Wort nach der heiligen Schrift und dem Bekenntnis unserer lieben lutherischen Kirche soll von dieser Kanzel verkündigt werden, um Christenseelen zu speisen mit dem wahren Lebensbrote zu ihrer Seligkeit. Das ist die Bestimmung dieser Kanzel, und das bleibe sie von Jahrhundert zu Jahrhundert.“ (Festschrift 1902, S.9f.).

 

Ich weiß nun nicht, welche Worte auf dieser Kanzel gesprochen wurden. Gepredigt wurde, und es waren Predigten in die Zeit hinein. Manche Predigten sind in Erinnerung geblieben, wie jene Weih-nachtspredigt über die Gans, die angesichts der Not in den unter-entwickelten Ländern dieser Erde den satten im Halse stecken blei-ben möge. Interessant wäre es, an dieser Stelle die Verankerung des gepre-digten Wortes in den Biographien der Prediger nachzuspüren - „theologische Existenz“.

 

Von dem ersten Pastor der Gemeinde, Pastor Theodor Meyer, finden sich außer seinen Schriften zur Kirchengemeindegründung und zum Kirchenbau wenig Spuren in den Archiven. Er ist 1913 als Superintendent nach Bockenem berufen worden und war bis zu seiner Pensionierung Superintendent in Springe.

 

Sein Nachfolger, Pastor Karl Hölty, schreibt 1935 für einen Artikel über „das evangelisch-lutherische Pfarrhaus in Hannover:

 

„Sehr geehrter Herr Amtsbruder! Auf ihre Anfrage erteile ich Ihnen gern über die im Hannoverschen Pfarrbuche nachzulesenden Nachrichten hinaus nachstehende Auskunft: Die Gemeinde und Kirche zu Hasbergen: 2500 Seelen in 6 Ortschaften, Entfernung bis 1 ¾ Stunden. Die alte ackerbautrei-bende Bevölkerung hält noch, allerdings in geringem Masse, fest an kirchlicher Sitte. Die Gemeinde wird aber immermehr Industriegemeinde. Weitaus die mei-sten Arbeiter stellt der Georgs-Marien-Hütten-Verein. Die Arbeitsverhältnisse sind sehr schwierige. Viele Hüttenarbeiter müssen an 2 Sonntagen hintereinander arbeiten und kommen am 3. Sonntage morgens 6 Uhr von der Arbeit in Georgsmarienshütte. Die Kirchlichkeit leidet im Winter unter der etwaigen Ungunst der Witterung, im Sommer unter den zahlreichen Vereinsfestlichkeiten, die an jedem Sonntage stattzufinden pflegen, im Frühjahr und Herbst an den Sonnabends-Hochzeiten, die bis in die Frühe des Sonntags gefeiert werden. Festtags ist der Kirchenbesuch gut. Einige ganz unkirchliche Familien sind vorhanden. - Die Seelsorge wird erschwert durch die weiten Wege und durch eine gewisse Unzuverlässigkeit im Charakter der Bevölkerung. Körperliche Rüstigkeit des Pastors ist Erfordernmis. Die Sozialdemokratie hat viele geheime Anhänger bezw. Mitläufer. Die Akustik in der neuen, schönen, reichausgestatteten Kirche ist ausgezeichnet. Das Pfarrhaus, zweistöckig mit grossem Keller und Bodenraum, Badezimmer, Wasserleitung, herrliche Aussicht von allen Zimmern, ganz in freiem Felde gelegen, Vorgarten mit viel Beeren und Steinobst. Ausserhalb desselben, ebenfalls zum Garten gehörig, 3 Stück Land besten Bodens für Gemüsebau. Geräumige Veranda mit Aussicht auf den Teutoburger Wald. Der Pfarrdienst. Taufen nach dem Hauptgottesdienst, 16 - 18 mal Abendmahls-feiern. Pastor Vorsitzender des staatlichen Ausschusses für Jugendpflege. Jährlich ein Spielfest, Sonntags Wanderungen mit der konfirmierten Jugend. Familienabende mit Lichtbildern, Vorträgen, Deklamationen, Aufführungen. Fortbildungsschule. Frauenverein für Armen- und Krankenpflege und Pflege des Missi-onssinns. Missionsfeste. Diakoniestation mit Diakonisse des Henriettenstifts. Posaunenchor von 16 Mitgliedern /aktive); Leitung: ein Lehrer. Jungfrauenverein (Pfarrfrau und Diakonisse). Verschiedene Familien sind Mitglieder des Blaukreuz-vereins Georgsmarienhütte. Örtliches. Die täglichen Lebensmittel bei 3 Kauflauten zu haben, anderes in dem 7 km entfernten Osnabrück, mit der Eisenbahn in 10 Minuten zu erreichen, Bahnhof in nächster Nähe. Schlülerzug nach Osnabrück. Geselliger Verkehr am Orte nur wenig möglich. Klima gesund, nur etwas rauh. Schulen. Pastor Vorsitzender in 4 Einzelschulverbänden. Mitglied des Schulvorstandes in 2 Gesamtverbänden, Ortsschulinspektor über 6 Schulen mit 12 Lehrkräften. Verhältnis zu den Lehrern meist gut.“

 

In dem Protokollbuch des Kirchenvorstands findet sich unter dem 30. Oktober 1937 der Beschluss, einen Kranz zur Beerdigung von Pastor Hölty zu stiften. Der Pastor hatte sich das Leben genommen.

 

7. Das Kruzifix

 

Die Umgestaltung des Altarraumes 1974 machte es nötig anstelle des alten Altarbildes mit der Abendmahlszene ein Kruzifix über den neuen Altar aufzuhängen. Das landeskirchliche Amt für Bau –und Kunstpflege in Hannover konnte der Gemeinde ein Kreuz anbie-ten. Über die Entstehung und frühere Verwendung dieses Kreuzes war kaum etwas bekannt. Es wurde um 1580 (Frühbarock) vermut-lich in Tirol geschnitzt; es ist wohl nicht Teil einer Kreuzesgruppe, sondern wohl schon immer als Einzelkreuz benutzt worden. Der Kirchenvorstand beauftragte den Osnabrücker Restaurator Horst Icks um ein Gutachten. Sein Urteil fiel trotz einiger Mängel positiv aus: „es besitzt einen hohen historischen Wert... und es be-stünden keine Bedenken, „es in einen Kirchraum zu hängen, der erst um 1900 gebaut wurde“* So entschloß sich der Kirchenvor-stand zum Ankauf für 2 900 DM und ließ es für 1700 DM von Herrn Icks restaurieren. Seitdem versammelt sich die Gemeinde zum Gottesdienst und Sa-krament um dieses Kreuz und wird daran erinnert, dass ‚Christus die Mitte der Gemeinde‘ ist.

 

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8. Die Orgel und der Notenständer

 

Von der ursprünglichen Orgel existiert nur noch der Orgelprospekt. Die 1901 von der Firma Rohlfing, Osnabrück, eingebaute Orgel hatte 19 Register, die über 2 Manuale und ein Pedal zu spielen waren. 1945 wurde die pneumatische Orgel grundlegend überholt, musste aber 1974 durch eine neue mechanische Schleifladenorgel ersetzt werden. Sie besitzt 10 Register und ist über ein Manual und ein Pedal zu spielen.
Bis 1937 war der Hasberger Hauptlehrer Heinrich Pleister als Organist tätig., Er wurde 1937 von Herrn Kleinschmager aus Osnabrück abgelöst. 1939 übernahm seine Frau den Dienst als Organistin. Als sie 1960 fortzog, versahen Frau Ruth Thiele, Herr Hobein aus Ge-orgsmarienhütte und Schulrat Heinrich Drees den Orgeldienst. Seit 1977 ist Dieter Theiling Organist.

 

Auf der Orgelempore befindet sich auch ein alter Notenständer. Er hat eine eigene Geschichte. Dieter Theiling schreibt über ihn:

 

„Zu den weniger hübschen Gegenständen in unserer Kirche zählt der große braune Notenständer. Die untere Kante besteht aus Sperrholz, die Farbe blättert ab und die Höhenverstellung funktioniert nicht mehr. Der Chorleiter sollte sich wirklich ein neues modernes Exemplar kaufen. Tut er nicht! Er brachte dieses antike Exemplar von seiner ersten Organistenstelle in Georgsmarienhütte mit nach Hasbergen und bei jedem größeren Konzert wird er – vor dem Notenständer stehend – an seinen Vorgänger erinnert, der sich über den Kirchenkreis hinaus als Organist und Chorleiter einen Namen gemacht hat: Heinrich Stahlmann. Heinrich Stahlmann war Leiter der ehemaligen Volksschule (neben der Lutherkir-che, heute O-Stufe) und im Nebenamt engagierter Organist und Chorleiter an der Lutherkirche. In den 50 Jahren bestand sein Kirchenchor aus 60 Sängerinnen und Sängern, jährlich wurden in der Passionszeit und natürlich in der Weih-nachtszeit Konzerte gegeben.

 

In der Nazi-Zeit war Heinrich Stahlmann den damals Regierenden ein „Dorn im Auge“. Es wird erzählt, dass 1938 im Kasino zu Georgsmarienhütte zur gleichen Zeit eine Probe des damaligen Kirchenchores unter Leitung von H. Stahlmann und eine Versammlung der NSDAP stattfand. Die Partei wollte dem Chor das Singen verbieten, der Chor sang aber trotzdem weiter. Nun wollte man Herrn Stahlmann das Organistenamt erschweren und versetzte ihn an die Schule Han-kenberge. Aber Stahlmann gab nicht auf. Jahrelang ging er sonntags zu Fuß von Hankenberge nach Georgsmarienhütte, um seinen Auftrag in der Lutherkirche zu erfüllen. Als ein Notenständer gebraucht wurde, baute sich H. Stahlmann ein eigenes Modell im Werkraum seiner Schule.

 

Als 1975 die Lutherkirche das 100jährige Jubiläum feierte, entrümpelte man den Kirchboden und auf einem großen Müllhaufen neben der Kirche lag obenauf – jener Notenständer. Da gehörte er nicht hin! Zunächst brachte ich ihn in den Kel-ler meiner Wohnung in Georgsmarienhütte und als ich 1977 in Hasbergen als Chorleiter und Organist meinen Dienst antrat, kam das ehrwürdige Gerät wieder zum Einsatz.“

 

9. Die Glocken

 

Glocken wurden ursprünglich als Signalinstrument benutzt. Sie dienten z.B. dem Wecken der Sklaven oder der Eröffnung eines Marktes. Auch heute noch erfüllen sie als Tür- oder Uhrglocke den Zweck eines Signals. Im Mittelalter wachten die Städte genau über ihr Privileg gegenüber der Kirche, die Rats-, Bier- oder Armesünderglocke zu läuten. Am Schicksal der Glocken unserer Christuskirche werden politische Abläufe der jüngeren Vergangenheit sichtbar: Ursprünglich – 1901 – gab es hier zwei Bronzeglocken, eine große und eine kleine. 1917, im ersten Weltkrieg, wurde die größere der beiden Glocken für Kriegszwecke beschlagnahmt. Erst 1926, zum 25-jährigen Kirchbaujubiläum, konnte eine neue Glocke gegossen werden. Der Wunsch, dass sie nur in friedlichen Zeiten läuten möge, ging nur wenige Jahre in Erfüllung. Bis 1942 taten die beiden Glocken ihren Dienst. Dann, im zweiten Weltkrieg, musste wiederum die große Glocke aufgrund der „Anordnung zur Beschlagnahmung von Glok-ken“ abgegeben werden. Sie wurde wohl eingeschmolzen, denn nach der Befreiung 1945 konnte sie – im Gegensatz zu anderen Glocken - auf keinem der „Glockenfriedhöfe“ gefunden werden. Zum 50-jährigen Kirchbaujubiläum beschloss der Kirchenvorstand, das Geläut zu erneuern. Während bisher Bronzeglocken im Turm gehangen hatten, zeigte es sich, dass nun Stahlglocken klanglich und finanziell die bessere Lösung waren. So wurde die kleine Bron-zeglocke verkauft, die als einzige seit 1901 hier geläutet hatte. Ihr Erlös erbrachte 3410,- DM; die übrigen Kosten von 4700.- DM brachte die Kirchengemeinde selber auf. Ursprünglich war es nicht üblich, Glocken zu verzieren. Erst später wurden sie mit Ornamenten geschmückt oder mit Daten und In-schriften versehen. Auf unseren drei Stahlglocken ist zu lesen:

 

Große Glocke - Ton E, 950 kg Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit.

 

Mittlere Glocke - Ton G, 512 kg O Land, Land, höre des Herrn Wort.

 

Kleine Glocke - Ton A, 372 kg Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

 

Wir wünschen uns, dass unsere Glocken im Frieden läuten können und viele Menschen mit ihrer Einladung zum Gottesdienst erreichen.

 

10. Der Altarstein

 

Seit dem 100jährigen Kirchengemeindegründungsjubiläum findet sich unter dem Altar ein Reliefstein, der von dem früheren Gemeindeglied Herrn Frank-Eckhardt Meyer gestaltet wurde. Er stellt Wein-reben und Trauben dar, eine Interpretation des Abendmahlsgeschehens. Er ist aus Holz und Sandstein gefertigt. Interessant ist gerade diese Verbindung der beiden unterschiedlichen Materialien. In den neutestamentlichen Schriften finden sich viele Hinweise dazu. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“ „Du bist der Stein, auf dem ich meine Kirche bauen werde.“ Das Holz weist hin auf das hölzerne Kreuz des Gekreuzigten. Beide Materialien werden miteinander verbunden durch Weinranken. In dem Abendmahl ist Christus gegenwärtig als der Gekreuzigte und auferstandene Herr der Kirche. Christus hat einmal gesagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ In besonderer Weise sind wir in dem Sakrament des Abendmahls mit ihm verbunden. Es lohnt sich, einmal auf eigene Weise die Aussage dieses Reliefs zu meditieren.

 

11. Die Küsterinnen und Küster

 

Zu den ältesten kirchlichen Berufen zählt das Küsteramt. Diesen Dienst haben in der Christuskirche versehen: Herr Kirk, Herr Wahlbrink, Herr Wörremeyer, Frau Burda. Zur Zeit ist Frau Erika Wilm Küsterin.

 

Zu den Aufgaben eines Küsters , bzw. einer Küsterin zählt die äußere Vorbereitung der Gottesdienste und die Betreuung der Glocken. ... In früheren Zeiten bedeutete es Arbeit, denn die Glocken mussten von Hand geläutet werden. An den Sonntagen fanden jeweils zwei Gottesdienste statt, zu denen jeweils ¼ Stunde geläutet werden musste, zu Beerdigungen und Trauungen konnte ein Geläut bestellt werden. Hierzu musste eine Gebühr an den Küster gezahlt werden. Der Küster musste auch für die Heizung der Kirche sorgen. Ursprünglich waren unter den Emporen sowie in der Sakristei 3 Öfen installiert, die befeuert werden mussten. Die Beleuchtung der Kirche geschah in der ersten Zeit durch Kerzen. In der Beschreibung der Kirche aus dem Jahre 1902 werden 2 „dem frühgotischen Stile ent-sprechende Kronleuchter“ und 22 schmiedeeiserne Wandleuchter genannt.

 

Von der Arbeit des Küsters Wilhelm Kirk wird uns berichtet:

 

„Bis 1944 bekleidete Wilhelm Kirk mit seiner Frau Liesette das Amt des Küsters unserer Christuskirche in Hasbergen. Von seinen Enkeln, die noch heute in der Gemeinde wohnen, haben wir erfahren, wie manche Arbeiten erledigt wurden: An jedem Samstag musste die Kirche für den Sonntagsgottesdienst vorbereitet werden – d.h. Oma Liesette und die Enkelsöhne Wilhelm und Friedel gingen Staub putzen. Um diese, für Jungen natürlich lästige Beschäftigung, schnell zu erledigen, nahmen sie in jede Hand ein Staubtuch und wischten um die Wette. Die Turmuhren wurden ebenfalls jede Woche aufgezogen. Sonntags mussten die Jungen die Glocken läuten – sie funktionierten schon elektrisch und brauchten nur bei Stromausfall (z.B. in der Kriegszeit) von Hand betätigt werden. Außerdem mussten sie die Orgel mit Luft versorgen, indem sie den Blasebalg traten, damit der Organist – Herr Pleister – spielen konnte. Für Beerdigungen wurden die Glocken angestellt, sobald der Leichenzug bei „Schlüter“ (ehemaliger Bahnübergang Schulstraße) dem Posten am Turmfenster in Sicht kam und abgeschaltet, sobald der Sarg am Grab abgesetzt wurde. In der kalten Jahreszeit mussten auch die beiden Öfen, die rechts und links unter den Emporen standen, geheizt werden. Den Koks, der unterhalb der „Konfirmandentreppe“ abgeladen worden war, schaufelten Wilhelm Kirk und die Enkel hoch in den entsprechenden Verschlag, füllten die Kohleeimer und kippten die Öfen voll. Am frühen Samstagabend zündete man an und gegen 22.00 Uhr wurde noch einmal nachgelegt. Auch an den Raum für die Konfirmanden musste gedacht werden. 1 Stunde vor Unterrichtsbeginn wurde angeheizt. An manchen Weihnachtsabenden übernachtete der Küster mit den Kindern in der Sakristei, da der Heimweg durch den hohen Schnee zu beschwerlich war und die Öfen in den frühen Morgenstunden nochmals aufgefüllt werden mussten. Außerdem zündeten sie die Kerzen der zu dieser Zeit noch 2 aufgestellten Weihnachtsbäume zum 7.00-Uhr-Gottesdienst an. Die größte Arbeitsaktion passierte jedes Jahr zum Osterfest und der Konfirmation am Palmsonntag. Die ganze Familie Kirk – Onkel, Tanten, Groß und Klein – beteiligte sich: Bei der Pastorenfrau Hölty wurde Wasser im Waschkessel erwärmt um damit die komplette Kirche zu schrubben. Die Kinder zogen Hülsekrabben auf Bänder und hängten diesen Schmuck an den Brüstungen auf. (Zur Belohnung für ihre Hilfe durften sie nach dem Ostergottesdienst im Pfarrgarten Eier suchen.) Den mit Schlacke aufgefüllten Kirchenvorplatz hackten und harkten die Männer für das bevorstehende Fest. Die Entlohnung des Küsters betrug damals ca. 20.-- Mark pro Monat.“

 

12. Geschichte der Einrichtung einer Kirchengemeinde in Hasbergen, Gaste und Ohrbeck

 

Lehrer Pleister schreibt in der Schulchronik über die Gründung der Kirchengemeinde: „Die langen, schwierigen Verhandlungen wegen der Gründung der Kirchengemeinde Hasbergen kamen in dem Jahre 1898 zu einem glücklichen Abschluss. Daher mag auch hier einiges über ihre Entstehung mitgeteilt werden. Die erste Anregung zur Bildung einer eigenen Kirchengemeinde Hasbergen gingen im Jahre 1853 von dem an der St. Katharinenkirche in Osnabrück angestellten Pastor Kranold aus, hatten aber keinen Erfolg. 1883 wurden die Verhandlungen von dem derzeitigen Landrat Grote in Osnabrück wieder aufgenommen und mit großem Eifer weiter geführt. Der zuständigen Kirchenbehörde, dem damaligen evangelischen Konsistorium in Osnabrück, wurde durch den Landrat mitgeteilt, dass Einwohner von Hasbergen, Gaste, Ohrbeck und Hellern eine eigene Kirchengemeinde zu errichten wünschten. Das Konsistorium ersuchte darauf den Landrat, mit den in Frage kommenden Gemeinden weitere Verhandlungen zu führen. Schon am 21. Februar 1883 fand die erste Versammlung in dieser Angelegenheit bei Gastwirt Freude in Hasbergen statt. Der Vertreter der Kirchenbehörde, Konsistorialrat Mauersberg in Georgsmarienhütte, wies die Unzulänglichkeit der kirchlichen Versorgung in den Landgemeinden nach, während Landrat Grote der Versammlung die jährliche Belastung bei der Durchführung des Planes auseinanderzusetzen versuchte. Das Ergebnis der Beratung war, dass die ganze Versammlung sich gegen Beibehaltung der bisherigen kirchlichen Verhältnisse aussprach. Ein Ausschuss, aus Mitgliedern der beiligten Gemeinden gebildet, sollte die Angelegenheit weiterfördern. Nun entstand eine starke Gegenströmung. 24 Einwohner von Gaste erklärten, sich nicht von der St. Marien-Gemeinde abtrennen zu wollen, mehrere Hofbesitzer in Ohrbeck wünschten, die Kirche mehr in der Nähe ihrer Gemeinde errichtet zu sehen, womit wieder der größere Teil der Gemeinde nicht einverstanden war. Durch immer neue Eingaben an die zuständigen Behörden sucht er die Verhandlungen im Gange zu erhalten. Auch aus der Gemeinde wurden Gesuche an die Kirchenbehörde gerichtet, die kirchliche Notlage in den Landgemeinden durch Erbauung einer Kirche in Hasbergen zu beseitigen. Vom Jahre 1891 an nahmen die Kirchenvorstände von St. Katharinen und St. Marien in Osnabrück die Sache in die Hand. Sieben Jahre hindurch haben die Verhandlungen gedauert, ehe man zum Ziele kam. Unter dem 1. Juli 1898 wurde durch gemeinsame Urkunde des Konsitoriums in Hannover und der Regierung in Osnabrück die neue Kirchengemein-de Hasbergen errichtet. Für diese wurde nun ein eigener Kirchenvorstand gebildet. Nach Anhörung der wahlberechtigten Gemeindemitgleider bestimmte das Konsitorium, dass der Kirchenvorstand der neuen Kirchengemeinde Hasbergen aus dem Pfarrgeistlichen und 8 aus der Kirchengemeinde zu wählenden Vorstehern bestehen sollte. Die Wahl der Kirchenvorsteher erfolgte am 3. November 1898, sie fand für den Bezirk Hasbergen in der hiesigen Schule statt. Er wurden gewählt: Hofbesitzer Hiehaus, Pächter Lagemann und Berginspektor Heidersdorf. Ihre feierliche Einführung in das Kirchenvorsteheramt geschah am 2. Ad-ventssonntag in der St. Marienkirche in Osnabrück durch Superintendent Bartels. Zum ersten Geistlichen der neuen Kirchengemeinde Hasbergen wurde von der Kirchenbehörde Pastor Theodor Meyer zu Schmalförden, Kreis Sulingen, beru-fen. Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein hatte eine vorläufige Pa-storenwohnung am Roten Berge zur Verfügung gestellt. Die Übersiedlung des ernannten Pastors nach Hasbergen erfolgte am 6. Dezember 1898. An der Grenze der Kirchengemeinde bei der Dütebrücke in Hellern, wurde er von Kir-chenvorstande, beim Wolfskotten in Hasbergen von der Schule in Gaste und am Roten Berge von der Schule in Habsergen durch den Lehrer Pleister begrüßt. Am Abend begrüßte der Rotenberger Gesangverein den neuen Geistlichen durch den Vortrag mehrerer Lieder, dann folgte mit ihm ein gemütliches Beisammensein bei Gastwirt Schierke. Die Einführung des neuen Pastors erfolgte am 3. Advents-sonntage in der St. Katharinenkirche in Osnabrück durch Superintendent Bartels unter Assistenz der Pastoren Weidner und Klatte. Die Gottesdienste wurden wäh-rend der Zeit des Kirchenbaues mit Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde abwechselnd in den Schulen zu Hasbergen, Gaste und Ohrbeck gehalten. Der erste Gottesdienst in hiesiger Schule fand am 1. Weihnachtstage 1898 statt. Durch Herausnahme der Wand zwischen den beiden Klassenzimmern und durch Ersetzung derselben durch eine hölzerne, bewegliche Wand wurde ein genügend großer Raum zur Abhaltung der Gottesdienste geschaffen, die immer gut besucht wurden. Unter dem 16. Januar 1899 wurde Pastor Meyer zum Ortsschulinspektor der Schule zu Hasbergen und zum Vorsitzenden des Schulvorstandes ernannt....“

 

„Die Bauarbeiten bei der Kirche begannen am 1. Mai 1900 und wurden so geför-dert, dass am 1. Juli dieses Jahres, nachmittags um 5 Uhr, die feierliche Grund-steinlegung stattfinden kannte. Diese Feier, welche an einem Sonntagnachmit-tag stattfand, war von herrlichem Sommerwetter begünstigt und hatte sich einer großen Teilnahme zu erfreuen. Von den Behörden waren eingetroffen Oberregie-rungsrat Herr, Schulrat Flebbe und Landrat Liebermann. Auf dem festlich ge-schmückten Kirchplatz war eine Kanzel errichtet. Die Feier wurde eröffnet mit dem Beethovenschen „die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“, welches die Hüg-gelkapelle spielte. Dann folgte das gemeinsame Lied „Lobe den Herrn“. Nun be-stieg Superintendent Haase aus Georgsmarienhütte die Kanzel, hielt das Eignangsgebet und eine Ansprache, in welcher er die junge Gemeinde zur Dank-barkeit, zum Fireden und zur Opferwilligkeit ermahnte. Darauf sprach der Ortsgeistliche, Pastor Meyer, über Psalm 127: „Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen“. Am Schluss seiner Ansprache verlas er die auf Pergament geschriebene, in den Grundstein zu ver-mauernde Urkunde, welche folgenden Wortlaut hat: „Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Am 1. Juli im Jahre des Heils 1900, im 12. Jahre der Regierung Sr. Majestät des deut-schen Kaisers und Königs von Preußen Wilhelm II. haben wir im Beisein unserer Kirchenoberen, unserer Kirchengemeinde und zahlreicher Gäste und zum Heile unserer am 1. Juli 1898 nmeugegründeten Kirchengemeinde Hasbergen den Grundstein zu dieser neuen Kirche gelegt. Die Leitung des Baues, welcher im gotischen Stile aus den Schlackensteinen der Georgsmarienhütte errichtet wer-den soll, liegt in den bewährten Händen des Bauinspektors a.D. Hillebrand in Hannover und seines Bauführers Kloberg. Die Ausführung der Erd- und Maurer-arbeiterist dem Bauunternehmer Oppermann in Rheine übertragen. Die nähreren Nachrichten über die Vorgeschichte des Baues und der Gemeinde haben wir in einer dem Grundstein beigefügten „Beschreibung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Hasbergen und ihres Kirchenbaues“ kurz zusam-mengefasst. Wir befehlen den Bau dem Schutzes des gnädigen Gottes. Möge diese Kirche dauern in die Jahrhunderte hinein, möge sie vielen Geschlechtern werden zu einer Stätte der Erbauung und der Anbetung Gottes im Geiste. Das walte Gott! Amen. Hasbergen, den 1. Juli 1900 Der Kirchenvorstand gez. Meyer, P., Heidersdorf, Brockmann, Meyer zu Strohen, Niehaus, Lagemann, Meyer zu Wambergen, Wessel, Dreyer“

 

Der Baumeister der Kirche nahm nun die Urkunde aus den Händen des Pastors Meyer entgegen und legte sie in den kupfernen Behälter des Grundsteins. Miteingelegt und eingemauert wurden: 1. Eine Bibel, 2.Eine evangelisch-lutherisches Gesangbuch der Hannoverschen Landeskirche. 3. Ein kleiner Kate-chismus. 4. Ein Exemplar der von Pastor Meyer bei seiner Einführung in das Pfarramt zu Hasbergen gehaltenen Predigt. 5. Die neuesten Nummern der Ta-geszeitungen. 6. Der von Kirchenvorstand zu Weihnachten 1899 erlassenen Bit-trufe an die Evangelischen der Provinz um Liebesgaben für den Kirchen- und Pfarrhausbau. 7. Eine Nachweisung der von der Gemeinde aufzubringenden Abgaben. 8. Das Programm der Feier der Grundsteinlegung. 9. Ein Satz der gän-gigen Münzen neueste Prägung bis zum 5 M-Stück. 10. Eine „Beschreibung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Hasbergen und ihres Kirchenbaues“. Während der Grundstein vermauert wurde, sangen die vereinigten Kinderchöre aus Hasbergen, Gaste und Ohrbeck „Großer Gott, wir loben dich“. Nunmehr über-reichte der Baumeister dem Superintendenten den Hammer. Unter Hinzufügung von Bibelsprüchen und anderen Segenswünschen erfolgten die üblichen Ham-merschläge, an welchen sich die Vertreter der Behörden, der Georgsmarienhütte, der Osnabrücker Kirchenvorstände, die auswärtigen Geistlichen, Baumeister, Bauführer, Bauherr sowie der Mauerermeister, ferner die Lehrer der neuen Kir-chengemeinde und 3 Gemeindevorsteher beteiligten. Der vereinigte Kinderchor sang noch unter der Leitung des Lehrers Pleister das Niederländische Dankgebet „Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten“, worauf Pastor Meyer das Schlussgebet und den Segen sprach. Die Feier klang aus mit dem Gemeindege-sange „Nun danket alle Gott“.

 

„Am 1. Dezember 1901, am 1. Adventssonntage, fand die Einweihung unserer neuerbauten Kirche statt. Es war ein großer Freuden und Jubeltag für die Ge-meinde. Schon am Vorabend wurde die Feier eingeleitet durch Festgeläut und Blasen eines Chorals vom Turm der Kirche. Leider war die Witterung am Festta-ge ungünstig, es herrschte beständiges Regenwetter. Trotzdem hatte sich eine große Zahl von Festteilnehmern eingefunden, dass die große Kirche überfüllt war. Herrliche Kranzforten waren auf dem Weg zur Kirche, sowie vor dem Portale aufgebaut. Auf dem Turm und auf dem Pfarrhause wehten Fahnen. Bevor die Türen der Kirche geöffnet wurden, sang der vereinigte Kinderchor der erste Stro-phe des Liedes. „Tut mir auf die schöne Pforte“. Dann übergab der Bauführer, Ingenieur Osterhaus aus Natrup-Hagen, in Vertretung des verhinderten Bauleiters den Schlüssel zur Haupttür dem Superintendenten Haase aus Georgsmarien-hütte, welcher denselben mit herzlichen Segenswünschen an den Ortsgeistlichen weitergab. Dieser öffnete die Tür mit den Worten: „der Gemeinde zum Segen, Gott zur Ehr“. Im Namen des Vater, des Sohnes und des heiligen Geistes“. Nun-mehr zogen die Festteilnehmer ein, voran die Schulkinder mit ihren Lehrern, dann die geladenen Gäste und sonstigen Teilnehmer. Bald war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt. Von den Vertretern der Behörden und geladenen Gästen nahmen teil der Präsident des Landeskonsistoriums in Hannover Voigts, der Ge-neralsuperintendent von Osnabrück-Hoya-Diepholz D. Ph. Meyer, Oberregie-rungsrat Herr und Schulrat Flebbe von der Regierung in Osnabrück, die Superin-tendenten Haase, Georgsmarienhütte und Bartels, Osnabrück, Pastor prim. Weidner - Osnabrück, die Kirchenvorstände von St. Katharinen und S. Marien als Vertreter derMuttergemeinden, der Bergwersdirektor von Weyhe als Vertreter der Georgsmarienhützte, sowie Fabrikant Stahmer und Sanitätsrat Dr. Wimmer da-her. Diese Herren hatten auf dem Chor der Kirche Platz genommen. Eröffnet wurde die erhebende Feier durch den Gesang drei weiterer Strophen des Liedes „Tut auf die schöne Pforte“ seitens des Kinderchores, der vor der Orgel Platz genommen hatte. Darauf trat der Sutperintendent Haase vor den Altar, währende die Pastoren Weidner, Meyer und Superintendent Bartels neben demselben sich aufstellten. Der Superintendent verlas zunächst Psalm 24 und hielt dann auf Grund des Textes Math. 21,13: „Jesus sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus“ die Weiherede. Er hob zunächst hervor, welch ein grosser Freudentag nun mehr für die Kirchengemeinde Hasbergen angebrochen sei, ein Tag, den sie nie vergessen werde. Dank gebühre dafür dem grossen Weltenmeister, dem Herrn Himmel und der Erde aus dessen Hand die Gemeinde die schöne Kirche mit Danksagung empfangen und sie ihm weihen möchte zur Stätte seines Hauses und zu einem Orte, da seine Ehre wohne. Aber auch dem Baumeister der Kirche gebühre Dank und Anerkennung. Sein Werk sei ihm vor-trefflich gelungen, die neuerbaute Kirche sei ein echtes evangelisches Gottes-haus, eine Predigtkirche, in welcher jeder Kirchgänger von seinem Platze aus den Geistlichen sehen und hören könne. Dann ermahnte der Superintendent die Ge-meinde zum fleissigen Besuch der Kirche und erbat Gottes Segen für die Ge-meinde und ihr Gotteshaus. Mit dem Weihegebet schloss der feierliche Weiheakt. Hierauf stimmte unter der Leitung des Lehrers Pleiser-Hasbergen ein gemischter Chor von über 100 Personen, bestehend aus Erwachsenen und Kindern aus der Gemeinde eine eigens für die Einweihung der Kirche von Herrn Seminar-Musiklehrer Schmidt in Osnabrück komponierte Motette über Psalm 26 an. Dann überreichte der Generalsuperintendent D. Ph. Meyer aus Hannover die von ihrer Majestät der Kaiserin gestiftete Altarbibel. Pastor Meyer dankte im Namen seiner Gemeinde herzlich für diese kaiserliche Gabe, Nach dem Gemeindegesange „Gottes Stadt ist fest gegründet“ hielt Superintendent Bartels die Liturgie ab, wel-cher der Gemeindegesang „Wie soll ich dich empfangen“ folgte. Die Hauptpredigt hielt Pastor Meyer aufgrund des Evangeliums für den ersten Adventssonntag (Mth. 21,1-2), in welcher der Festgemeinde der Adventstuf vor Augen gehalten wurde „Zion, dein König kommt zu Dir“. Im einzelnen führte der Festredner dabei aus: Dein König ists, der zu Dir kommt, darum nimm ihn auf mit dankbarer Freude und halte ihm die Treue, die Du ihm gelobst. Nach dem Gemeindeliede: „Hosianna, lieber Gast“ sprach vom Alter aus Pastor Weidner Kirchengebet, Abkündigungen und Vaterunser, und nach dem Schlussgesange das gemischten Chors: „Herr, dein Wort die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir“ hielt Pastor Meyer die Schlussliturgie. Langsam leerte sich unter den Klängen der herrlichen Orgel die Kirche. Draussen erklang vom Turm herab, geblasen von der Hüttenkapelle, das Lied „Nun danket alle Gott“ und gab den Heimkehrenden das Geleit. In der Kirche fanden nach Schluss des Gottesdienstes die ersten beiden Taufen statt. Nach der kirchlichen Feier wurde bei Gastwirt Schierke am Roten Berge ein Fe-stesen veranstaltet, an dem etwa 160 Personen, darunter auch die geladenen Gäste teilnahmen. Gegen 6 Uhr begann der Familienabend in demselben Saale. Bei dieser Veranstaltung wechselten gemeinsame und einzelne Musikvorträge und Reden miteinander ab. Lehrer Pleister hielt einen Vortrag über den Guss der beiden Kirchenglocken, dem er am 3. September 1900 in der Glockengiesserei von J.J. Radler in Löhne bei Hildesheim beigewohnt hatte. Gegen 9 Uhr abends schloss die anregende und erhebende Feier.“

 

„Am Schluss des Schuljahres wurden 25 Konfirmanden, 12 Knaben und 13 Mädchen, aus der Schule entlassen. Die erste Konfirmation in der neuerbauten Kirche fand am 6. April 1902 statt.“

 

13. Aus der Geschichte

 

Die sozialen Bedingungen in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts

 

- Pastor Weidner 1893: „Es war aus Anlaß einer Ephorenkonferenz über die soziale Frage, daß man auf die Notwendigkeit einer ausreichenden Versorgung unserer Landgemeinden hinwies.“ „Meine Herren, wir bewegen uns darum mit keinem Haar auf einem scheußlichen Standpunkt à la Lieber, daß wir etwa sagten, wir bestehen auf unsern Osnabrücker Interessen, mag auch die Landgemeinde darüber darben und zu Grunde gehen. Sondern wir tun auf dies Weise beides, wir wahren allerdings unsere hochgewichtigen Osnabrücker Interessen und Aufgaben, fördern aber gleichzeitig die Landgemeinde und zwar zu angemessenstem selbständigem kirchlichem Leben.“ Unsere Landgemeinden sind numerisch ziemlich auf ihrem alten Stand geblieben. Die Wege zur Kirche sind gegen früher erheblich gebessert. Die Benutzung der Eisenbahn ist als große Erleichterung hinzugekommen. Wir Pastoren sind bereit, auch an Sonntagen draußen zu amtieren, und jetzt vielleicht mehr auf dem Lande als mancher Vorgänger.“

 

Lebenserwartung:

 

„Die Übersicht von 1882 zeigt mit schrecklicher Deutlichkeit die hohe Sterberate nach dem 45. Lebensjahr. Nur ca. 21 % - also jeder fünfte Mensch - wurde älter als 45 Jahre. Im Jahre 1983 waren es ca. 35 %, d. h. jeder dritte Mensch wurde älter als 45 Jahre. Besonders aufschlußreich sind die hohen Altersgruppen. Heute erreichen 7 - 8 mal mehr Menschen ein Lebensalter von über 75 Jahren als vor 130 Jahren.“ (K. Schüttler, Hasbergen, S. 386).

 

Die Einkommen:

 

„Noch im Jahre 1891 war dir Rothenfelder Saline die einzige weit und breit. Sie erzeugte in diesem Jahre 793.764 kg zu einem Preis von 120.000 Mark einschließlich der Salzsteuer = 0,15 Mark pro Kilo. Im gleichen Jahr betrug der Tagelohn ei-nes einfachen Tagearbeiters nach „§ 8 des Reichsgesetzes betr. die Krankenversicherung der Arbeiter“ für männliche Personen 1,50 Mark und für weibliche Personen 1,30 Mark. Für 10 kg Salz mußte also ein Arbeiter einen vollen Tag von 12 Stunden arbeiten.“ (Schüttler, S. 421)

 

Eingabe verschiedener Bürger aus Hasbergen und Ohrbeck vom April 1867

 

An den evangelischen Kirchenvorstand zur Georgs-Marien-Hütte

 

Es wird dem verehrlichen Kirchenvorstande nicht entgangen sein, daß seit einigen Monaten aus unseren Gemeinden der Gottesdienst auf Georgs-Marien-Hütte vielfach besucht wird. Der Weg nach dort ist nicht so weit wie nach Osnabrück, namentlich seit dem die Direktion des Georgs-Marien-Verein es gestattet hat, die Eisenbahn als Kirchweg zu benutzen. Wir beabsichtigen demnach den Gottesdienst all dort auch fer-ner regelmäßig zu besuchen und hoffen, daß dem verehrlichen Kirchvorstand uns zu dem Zwecke ein Plätzchen in dem dortigen Gotteshause nicht verweigert wird:

 

Um nun aber auch bei Vornahme pfarramtliche Handlung der angedeuteten Bequemlichkeit teilhaftig zu machen, wünschen wir und mit uns auch viele andere Gemeinde-genossen, daß es uns künftig gestattet werden möge, alle unsere pfarramtlichen Handlungen nach belieben bei den betreffenden Geistlichen in Osnabrück oder durch den Pastor zu Georgs-Marien-Hütte vornehmen zu lassen.

 

Es sind Fälle vorgekommen, und können darum auch ferner vorkommen in denen ein Geistlicher Rat zur .... ..., ES ist zu natürlich das man in solchen Fällen am liebsten an den zunächst wohnenden Geistlichen sich wendet. Dem natürlichen Menschenverstan-de will es gar nicht einleuchten wie es möglich ist daß ein unsern ... entfernt wohnen-der Geistlicher einem andern in der Nähe wohnenden Pfarrer verbieten kann in eiligen Fällen statt seiner ohne vorherige speziellen Genehmigung eine pfarramtliche Handlung zu verrichten.

 

Auch solche Weise ist es unter Umständen von dem guten oder bösen Willen eines Seelensorgers abhängig! Ob Schwerkranker mit oder ohne geistlichen Trost zur Grube fährt. Dem Wunsch eintretenden falls, an den Geistlichen zur Georgs-Marien Hütte uns wenden zu dürfen ist bei uns um so gerechtfertigter, als ein großer Teil unserer Gemeindebewohner vermöge seiner vielfachen Beziehungen zum Geoors-Marien Verein in häufigem Verkehr mit Georgs-Marien Hütte steht.

 

Wir zweifeln nicht das unsere Wünsche Gewährung zuteil wird, zumal wegen eine Schmälerung der Gebühren der Osnabrücker Geistlichen nicht eintritt und der verehrliche Kirchenvorstand mit unsern Anträgen sich einverstanden erklärt, wir erlauben uns noch, dies hervorzuheben, daß der dortige Prediger als Hilfsgeistlicher alle Handlungen für uns ja nur im Namen der Osnabrücker Geistlichen besorgen würde.

 

Und sollte es denn wirklich wohl noch einen vernünftigen Grund geben, der gegen unsere Bitte sprechen könnte! Uns ist kein einziger gedenkbar und si hoffen wir, daß verehrlichen Kirchenvorstand unsere Wünsche betreffenden Art Gewährung verschaffen wird.

 

Ohrbeck und Hasbergen im April 1867

 

Handschriftlicher Abriß der Entstehungsgeschichte der ev.-luth. Kirchengemeinde Hasbergen durch ihren ersten Pastor Theodor Meyer zum 40-jährigen Gründungsfest 1941:

 

Handschriftlicher Abriß der Entstehungsgeschichte der ev.-luth. Kirchengemeinde Hasbergen durch ihren ersten Pastor Theodor Meyer zum 40-jährigen Gründungsfest 1941: "Die Gründung einer selbständigen Kirchengemeinde Hasbergen entsprang einem ganz dringenden kirchlichen Bedürfnis. Hasbergen und Ohrbeck waren ja früher in St. Katharinen, Gaste und Hellern in St. Marien in Osnabrück eingepfarrt. Die Entfernungen aber nach den beiden lutherischen Kirchen Osnabrück waren ganz beträchtliche, für einige Bewohner der infragekommenden, langgestreckten Ortschaften bis zu 13 km. Notwendig mußte der sonn- und festtägliche Kirchgang darunter leiden. Besonders schwierig war es auch für die Konfirmanden, 2 mal wöchentlich die weiten Wege zu den Konfirmandensälen hin und zurück zu Fuße zurückzulegen, es gehörte einschließlich der Unterrichtszeit dazu für manche Konfirmaden ein ganzer Tag und der Schulunterricht mußte für sie dann ausfallen oder doch ganz stark beschränkt werden. Bei Beerdigungen innerhalb der genannten bürgerlichen Gemeinden war es den Osnabrücker Geistlichen meist unmöglich, selbst herauszukommen; die Lehrer der Gemeinden vollzogen dann die kirchliche Handlung. Daß auch nur selten Kranken- andere seelsorgerliche Besuche seitens der Geistlichen stattfinden konnten, liegt auf der Hand. So hatte man denn schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde sich bemüht, aber vergeblich. Erst durch das energische Zugreifen des damaligen Landrats Grote in Osnabrück zu Anfang der 80er Jahre des vor. Jahrhunderts nahm die Sache einen erwünschten Fortgang. Eine erste maßgebende Versammlung der Gemeindeangehörigen fand auf Anbregen des Herrn Landrats am 21. Februar 1883 in der Freudschen Gastwirtschaft in Hasbergen statt, in der man einmütig die bisherigen kirchlichen Zustände für unhaltbar erklärte. Doch konnte man lange über die Grenzen einer neuzugründenden Gemeinde sich nicht einigen. Wo ferner 24 Einwohner von Gaste den Behörden mittheilten, daß sie von St. Marien in Osnabrück nicht getrennt zu werden wünschten, wollten mehrere Hofbesitzer in Ohrbeck eine neue Kirche ganz in ihrer Nähe, nämlich beim sog. Wulfeskotten, errichtet wissen. So mußte nach einem Ministerialbescheide nun die weitere Verfolgung der Angelegenheit vorläufig abgebrochen werden. - Von 1891 an setzten sich nun auch die beiden Osnabrücker Kirchenvorstände St. Catharinen und St. Marien dafür ein. Man bezog nun auch den Teil der Ortschaft Hörne, der westlich der Düte liegt, in den Bezirk der neuen Kirchengemeinde mit ein und setzte überhaupt für Hellern und Hörne den Dütefluß als Gemeindegrenze fest. Ein Kirchengrundstück von 84a 38 qm. wurde durch Vermittlung der Kirchenvorsteher Meyer zu Wambergen von den Hofbesitzern Nollmann und Gösmann in Hasbergen durch die beiden Kirchenvorstände in Osnabrück gekauft und der neuen Tochtergemeinde Ausstattungskapitalien (aus St. Marien 18000 M, aus St. Catharinen 15000 M) bewilligt, dazu ein zusätzlicher Zuschuß zum Gehalte der neuen Pastores. So konnten das königl. Konsistorium zu Hannover und die königl. Regierung in Osnabrück unter dem 1. Juli 1898 die neue Kirchengemeinde urkundlich (.....). Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein stellte in einem seiner Häuser am Roten Berg eine Pfarrwohnung zur Verfügung und das Konsistorium ernannte als ersten Pastor der neuen Gemeinde den damaligen Pastor Meyer in Schmalförden, Kreis Sulingen. Dieser wurde nach seiner feierlichen Einholung durch Gemeindeglieder am 11. Dezember 1898 in der St. Katharinenkirche in Osnabrück durch Superintendent Bartels eingeführt und hielt am 18. Dezember 1898 den ersten Gottesdienst in der Schule zu Gaste. Überhaupt stellten Hasbergen, Gaste und Ohrbeck zur Abhaltung der Gottesdienste und etwaiger Amtshandlungen ihre lutherischen Schulen zur Verfügung. Abwechselnd wurden die Gottesdienste, oft mit Abendmahlsfeier, in diesen Schulen gehalten, und die Lehrer Pleister, Klingemann und Busche übernahmen die Begleitung der Gemeinde und der Liturgie auf dem Harmonium. Vier Jahre lang (von Advent 1898 bis Advent 1901) dauerte dieser Zustand. In diesen Jahren fand der gemeinsame Konfirmandenunterricht in der Schule zu Hasbergen statt. - Nachdem durch eine von dem Herrn (....) der Provinz Hannover bei allen evang. Haushaltungen genehmigte Hauskollekte für die neue Kirche die Erbauung derselben sichergestellt war, konnte am 1. Juli 1900 die Grundsteinlegung und am 1. Dezember 1901 die feierliche Einweihung der fertiggestellten Kirche stattfinden unter außerordentlich starker Beteiligung der Gemeinde und im Beisein ... Gäste .. - Vielleicht sind noch einige der Gemeindeglieder hier anwesend, die die damalige Einweihungsfeier dieser Kirche miterlebt haben. Ihnen zur Erinnerung, den übrigen zur Kenntnis, das darf hier erwähnt werden, daß bei strömendem Regen, der auch den Tag über anhielt, zunächst nach einem Lied des Kinderchores „Tut mir auf die schöne Pforte“ die feierliche Übergabe der Schlüssel zur Haupttür dieser Kirche durch den Bauführer an den Superintendenten ... an den Ortspastor erfolgte, der nun die Tür öffnete mit dem Segenswunsch: Der Gemeinde zum Segen, Gott zur Ehre! Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Nachdem die ... Gäste auf dem großen Chor der Kirche, die Gemeinde aber im Schiff und auf den Emporen Platz genommen hatte, hielt der Superintendent von Georgs-Marien-Hütte, zu dessen Aufsichtsbezirk die neue Gemeinde gelegt war, auf Verlesung des 24. Psalms die Weiheworte über Matth. 21,13: Mein Haus soll ein Bethaus heißen“ und dann, mit den ... Geistlichen am Altare kniend das Weihegebet. ... unter Leitung von Herrn Hauptlehrer Pleister eine eigens für die Einweihung von dem Musiklehrer des Lehrerseminars in Osnabrück komponierte Motette über Psalm 26,8... der Generalsuperintendent mit einer .... die von der Kaiserin Auguste Viktoria gestiftete Altarbibel der Gemeinde zum Gebrauch überreicht hatte, begann der eigentliche ... Gottesdienst mit der von Superintendent Bartels aus Osnabrück gehaltenen Liturgie. Das Hauptlied „Wie soll ich dich empfangen,“ No. 28 im Gesangbuche, leitete sodann über zu der von Pastor Meyer gehaltenen Festpredigt über das alte Adventsevangelium Matth. 21,1-9. Zion dein König ..., der zu dir ...,darum nimm ihn auf mit dankbarer Freude und halte ihm die Treue, die du ihm zugute gelobt! - Nach der Altarweihe durch Pastor Weiden(?) aus Osnabrück und der Schlußliturgie blies vom Turm der Kirche der Bläserkorps vom Roten Berge den Festteilnehmern noch ein „Nun danket alle Gott“ auf. - Ein gemeinsames Mittagsmahl bei Gastwirt Schierke am Roten Berge .... die auswärtigen Gäste dann noch mit zahlreichen Gemeindeangehörigen und am Abende hatte die Gemeinde auf einen .... verlaufenen Familien-abend mit einem von mir gegebenen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Kirchenbaus und einem Vortrage des Lehrers Pleister über den Guß unserer Kirchenglocken bei J.J. Radler u. Söhne in Hildesheim, an dem Lehrer Pleister und Pastor Meyer teilgenommen hatten. - Erwähnt sei noch, daß auch das neue Pfarrhaus mit Konfirmandensaal, dessen Bau die Firma J.B. Timmermann in Osnabrück übernommen hatte, fast gleichzei-tig mit der Kirche fertiggestellt war, so daß Pastor Meyer mit seiner Familie noch Anfang Dezember 1901 in dasselbe einziehen konnte. Von hier aus hat er bis 1913, wo er zum Superintendenten in Bockenem a.H. ernannt wurde, das Pfarramt in der Gemeinde Hasbergen verwaltet und Freud und Leid mit ihr geteilt. Nachdem er 1920 die Superintendentur-Pfarre in Springe am Deister übertragen bekam, hat er dort noch bis Herbst 1934 gewirkt, ist dann in den Ruhestand getreten und nach Hildesheim gezogen. Am 30- und 35-jährigen Jubiläum der Kirchen-Einweihung hat er noch .... teilnehmen und mit dem Worte dienen dürfen. Auch diesesmal hätte er das gerne getan, mußte aber eine an ihn ergangene diesbezügliche Bitte mit Rücksicht auf den Stand seiner Gesundheit ablehnen. Herzlich grüßt er aber seine frühere Gemeinde, dankt dafür, daß sie seiner ... erinnert hat und bittet sie mit Worten des Apostels Paulus 2. Tim 3,14: Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und Dir vertrauet ist und mit dem anderen ... Offenbarung 2,10: Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben." (Original liegt im Protokollbuch von 1898)