Liebe Gemeinde,
letzten Sonntag haben wir gemeinsam Herrn Pastor Hagedorn verabschiedet, diesen Sonntag beschließen wir nun gemeinsam die Visitationswoche. Und dazwischen lagen Tage voller Programm: viele Begegnungen und Gespräche, Besichtigungen und erste Verabredungen. Naturbad und Osnabrücker Werkstätten, Haus am Berg und Rathaus, Friedhöfe, Grundschule Gaste und Gaster Zauberhaus, Kindertagsstätte Kunterbunt und Pfarr- und Gemeindehaus standen auf meinem Stundenplan, dazu Versammlung der Mitarbeitenden und die Kirchenvorstandssitzung. Es war ein gut vorbereitete Woche, vielen dank dafür an den Kirchenvorstand und die Hauptamtlichen. Das Pastorenehepaar Renner-Venz und der Kirchenvorstandsvorsitzende Herr Driemeyer waren bei nahezu allen Terminen dabei, aber auch andere Kirchenvorsteher und –vorsteherinnen. Auch dafür Danke, dass Sie mich begleitet und diese Visitation sehr ernst genommen haben. Viel Erfreuliches gibt es zu berichten, aber auch kritische Töne wurden laut:
Die Kirchengemeinde Hasbergens steht vor großen Herausforderungen: Seit dem 1. Mai gibt es nur noch 1,5 Pfarrstellen, d.h. ein Viertel der pastoralen Arbeit ist gekürzt worden. Der Kirchenvorstand, das Pastorenehepaar Renner-Venz und Frau Diakonin Schoof werden nach den Sommerferien gemeinsam erarbeiten, wie die Gemeindebezirke neu aufgeteilt und wo für jeden die Arbeitsschwerpunkte sein sollen. Sie werden mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch eintreten, was Sie, die vielen Gemeindeglieder, tun möchten und welche Unterstützung Sie dafür brauchen. Ich wiederhole, was ich schon vor 5 Jahren bei der Visitation gesagt habe: In einer so großen Gemeinde wie Hasbergen mit 4.500 Menschen, von denen viele eine gute schulische und berufliche Ausbildung haben, muss es doch Interessenten geben für eine Ausbildung als Lektor und später dann als Prädikant. Die Gemeinde in Kloster Oesede hat mit 1.300 Gemeindeglieder nur ein Drittel des Potentials von Hasbergen und trotzdem haben innerhalb kurzer Zeit drei Frauen die Ausbildung zur ehrenamtlicher Predigerin erfolgreich absolviert. Sie empfinden es als große Bereicherung, dass sie Gottesdienste eigenverantwortlich gestalten und das Wort Gottes verkündigen dürfen.
Nach dem Gespräch zwischen bezahlten und ehrenamtlichen Mitarbeitenden kommt das wichtigste und zugleich schwierigste, dann muss bestimmt werden, was in Zukunft nicht mehr getan wird, auch wenn es wichtig ist, weil einfach die Arbeitskraft dafür nicht vorhanden ist.
Neben der Pfarrstellenreduzierung gibt es weitere Kürzungen insbesondere im Bereich der Kirchenmusik und bei den Sachkosten. Das ist nicht die Schuld des Kirchenvorstandes, auch nicht die Schuld der Superintendentin, sondern die Folge der sinkenden Kirchensteuereinnahmen. Und davon ist nicht nur Hasbergen betroffen, sondern der ganze Kirchenkreis Georgsmarienhütte und die Landeskirche. Zu einem ordentlichen Haushalter gehört es im privaten Bereich wie in der Kirche: Niemand kann mehr Geld ausgeben als er hat. Die Landeskirche kann dem Kirchenkreis nicht mehr Geld geben als durch Kirchensteuereinnahmen jährlich hereinkommen. Und der Kirchenkreis kann Hasbergen nicht mehr Geld geben als er zum Verteilen hat. Und im Unterschied zum Bund und Land machen wir keine Schulden: Die evangelische Kirche belastet die nachkommende Generation nicht mit Schulden der heutigen Gemeinden.
Also müssen Sie die Einnahmeseite selbst verbessern, wenn Sie weiterhin so schöne Gottesdienste wie heute mit Posaunenchor und Kirchenchor feiern wollen. Ich kann Ihnen nur Mut machen, einen Förderverein zu gründen und um Mitglieder zu werben. In Hagen ist es gelungen, eine halbe Diakonenstelle für Frau Klöver durch Spenden zu finanzieren – warum sollte es dann in Hasbergen nicht möglich sein, Geld für die Stunden der Posaunenchorleitung und der Kirchenchorleitung einzuwerben?
Sie haben viele engagierte ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Gemeinde, rund 130 Menschen sind es. Das ist ein großer Schatz. In Zukunft soll es mehr Gespräche und Informationen zwischen dem Kirchenvorstand und den Ehrenamtlichen geben, damit die Entscheidungen des Kirchenvorstandes, gerade wenn sie tiefe Einschnitte bedeuten, verständlich und nachvollziehbar werden. Der Kirchenvorstand wird sich auch über vertrauensbildende Maßnahmen Gedanken machen, damit die gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung gefördert wird. Es gehört zur Kultur einer christlichen Gemeinde, auch bei unterschiedlicher Meinung respektvoll miteinander umzugehen und jedem und jeder zuzutrauen, dass er und sie seine Aufgabe ordentlich erledigt.
Und dass die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen in Hasbergen geschätzt wird, dass habe ich an vielen Stellen erlebt:
- Die Teams in den Kindertagesstätten und der Kirchenvorstand arbeiten gut zusammen. In der Vergangenheit hat es eine gute religionspädagogische Begleitung durch Pastor Hagedorn in Gaste und Pastorin Renner-Venz in Hasbergen gegeben. In Gaste ist die Kooperation mit der Grundschule gut gediehen, es gibt vertragliche Regelungen.
- Im Haus am Berg werden die Andachten von Frau Pastorin Renner-Venz und Herrn Pastor Venz geschätzt. Drei ehrenamtliche Frauen aus der Christus-Gemeinde machen regelmäßig Besuche in den Wohngruppen und begleiten auch bei Ausflügen. Die Einsätze des Posaunenchores sind eine große Bereicherung, Frau Hupes Dynamik motiviert auch die Bewohner und Bewohnerinnen.
- Sie feiern in Hasbergen viele schöne Gottesdienste zusammen, die Predigten von Pastorin Renner-Venz und Pastor Venz werden geschätzt. Sie erreichen mit ihren Predigten auch die Konfirmanden und Konfirmandinnen, was keine leichte Aufgabe ist. Spitzenmäßige Taufgottesdienste, so wurde gesagt, gibt es bei ihnen und aktuelle Geschichten in den Predigten, die so spannend sind, dass man unbedingt das Ende hören will.
- Ein Redaktionsteam hat viel Zeit, Phantasie und Kreativität eingesetzt und den Kirchenwecker zu einem ansehnlichen Gemeindebrief entwickelt, den man gerne in die Hand nimmt und durchliest. Und der Internet-Auftritt wird sehr aktuell mit Fotos und Infos auf dem Laufenden gehalten.
Ein Ausblick in die weitere Zukunft: Das Ehepaar Renner-Venz strebt nach 10 Jahren Arbeit in Hasbergen einen beruflichen Wechsel an. Wann dieser Wunsch in die Tat umgesetzt wird, dazu kann heute noch niemand verbindlich Auskunft geben. Wenn das aber geschehen ist, werden die 1,5 Stellen gemeinsam ausgeschrieben, so dass ein Team gefunden werden kann, das zueinander passt.
Das bedeutet für die Kirchengemeinde: Die Wohnsituation für die Pastoren muss attraktiv gestaltet werden, damit Pastoren oder Pastorinnen gerne nach Hasbergen kommen wollen.
Und noch ein Ausblick in die Zukunft: Die Grenzen der Kirchenkreise werden sich zum 1. Januar 2013 ändern. Nach Beschluss der Kirchenkreistage Bramsche, Osnabrück und Georgsmarienhütte soll Hasbergen dann dem neuen Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte angehören. Kirchenvorstand und auch die Versammlung der Mitarbeitenden sprechen sich für eine Zuordnung nach Osnabrück aus. Das Landeskirchenamt wird den Kirchenvorstand anhören und dann eine Entscheidung treffen.
Ich weiß, dass diese Visitationsansprache ziemlich lang geraten ist, aber Hasbergen ist eben auch eine große Gemeinde mit großen Aufgaben vor sich. In vertrauensvoller Zusammenarbeit und mit Unterstützung durch den Kirchenkreis, durch die Beratungsangebote der Landeskirche und nicht zuletzt mit Gottes Segen kann es aber gelingen, gute Wege in die Zukunft zu entwickeln und die Freude an der Zusammenarbeit wachsen zu lassen. Schuldzuweisungen und Forderungen an andere sind dabei wenig hilfreich. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung für Verkündigung und Seelsorge, für Unterricht und Diakonie. Lassen Sie uns im Vertrauen auf Gott immer wieder neue Anfänge wagen. Gott segne Sie! Amen